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Zum Neuen Jahr 2021

Die nachstehenden  Gedanken zum Jahreswechsel von Ingrid Newkirk, 1. Vorsitzende von PETA  entsprechen auch den  Anschauungen des Internationalen Tierschutzvereins Grenzenlos e.V. Wir geben den Text auszugsweise wieder, um auch unseren Mitgliedern und Freundinnen und Freunden Anlass zum  Nachdenken zu geben. Lassen Sie uns respektvoll und achtsam mit unseren Mitlebewesen umgehen.

 

„Jeden Morgen kommt mich eine Krähe an meinem Bürofenster besuchen. Sie hat nur einen Fuß – zwei Beine, aber nur einen Fuß. Ich weiß, dass es sich um ein weibliches Tier handelt, weil sie irgendwann mit einem stimmgewaltigen Baby auftauchte. Wenn ich sie – oder das Baby – höre, rufe ich sie. Sie landet dann auf meinem Fensterbrett und ich stelle ihr Frühstück hinaus. Sie liebt Blaubeeren und hasst Falafel. Das weiß ich, weil sie Letztere schon  einmal auf einen Mann spuckte, der gerade unter meinem Fenster vorbeiging.

Eines Tages kam jemand in mein Büro, als sie gerade aß, und sagte: „Oh, ist die süß!“ Wir nehmen Tiere häufig einfach als „süß“ wahr und denken gar nicht darüber nach, was sie schon alles durchmachen mussten. Nehmen wir die Krähe als Beispiel: Sie hat nur einen Fuß und muss es dennoch irgendwie schaffen zu überleben, nicht in Stromleitungen hängen zu bleiben oder in unseren Betonstädten dem Verkehr oder gemeinen Menschen zum Opfer zu fallen. Ständig muss sie nach Nahrung für sich und ihren Nachwuchs suchen. Im Winter kommt sie manchmal bei größter Kälte klatschnass bei mir an. Ob es stürmt oder schneit, sie muss sich mit einem Fuß an Ästen oder Feuerleitern festhalten. Und würde sie sich an ihrem verbleibendem Fuß verletzen, wäre es aus mit ihr! Sie tut so viele beeindruckende Dinge, die ich niemals schaffen würde. Sie ist ein vollständiges, erwachsenes Individuum mit einer Behinderung und enormen Herausforderungen. Das Wort „süß“ wird ihr nicht im Entferntesten gerecht.

Wenn Tiere etwas tun, dann ist das normalerweise gut durchdacht und klug, nicht einfach süß. Ein Internetvideo zeigt zum Beispiel einen kleinen Hund namens Gus, der sich etwas vorgenommen hat: Gus möchte, dass sein Planschbecken im Haus steht. Die Art und Weise, wie er daran arbeitet, das Planschbecken ins Haus zu bringen, ist wirklich beeindruckend – sehen Sie es sich online an („Gus vs. Pool“). Sein Vorgehen ist ganz klar ein Zeichen von Intelligenz. Genauso ist es nicht einfach nur süß, sondern verdammt schlau, wenn winzige Oktopusse herausfinden, wie man leere Kokosnussschalen als tragbares Haus nutzt. Für diese Tiere geht es schließlich ums Überleben.

Alle Tiere versuchen, in einer Welt voller Schwierigkeiten und Hindernisse zurechtzukommen. Wir Menschen rauben ihnen in dieser Welt alles: ihr Zuhause, ihre Kinder, ihre Freiheit – sogar ihr Leben. Als Menschen, denen etwas an Tieren liegt, ist es unsere Aufgabe, anderen die Augen zu öffnen für die Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle von Tieren. So oft es geht, müssen wir unsere Mitmenschen daran erinnern, dass Tiere in allen entscheidenden Aspekten genauso sind wie wir.

Im Internet kursiert ein Video von einem Gänserich, der verzweifelt versucht, seiner Partnerin Lebewohl zu sagen. Sie ist an einem Motorrad festgebunden und wird zum Schlachthof gebracht. Der Gänserich unternimmt alles in seiner Macht Stehende, um sie zu retten: Er schreit, protestiert und versucht sogar, die Schnur zu lösen. Irgendjemand fand die Szene „süß“ und schoss ein paar Fotos. Dabei war nichts daran süß! Dem Gänserich wurde das Herz gebrochen, weil er sie nicht befreien konnte und zu Recht das Gefühl hatte, dass er sie nie wiedersehen würde. Ich wünschte, irgendjemand hätte darüber nachgedacht, hätte seine Verzweiflung erkannt, etwas gesagt – dafür gesorgt, dass es anders endet.

Wenn ich ein Tier ansehe, erkenne ich eine Persönlichkeit. Das Äußere ist nicht entscheidend – Fell, federn, Haut oder Schuppen, die Körperstatur, die Länge der Nase, die Anzahl der Beine. Entscheidend ist, dass hinter all dem ein Individuum mit Gedanken und Gefühlen steckt. Eine Mutter, ein Freund, ein Kind.

………

Wenn wir ein Tier sehen, das Hilfe braucht, misshandelt oder vernachlässigt wurde, dann dürfen wir nicht wegsehen. Wir dürfen nicht einfach die Straßenseite wechseln und nichts dazu sagen. Vielmehr müssen wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um Abhilfe zu schaffen und das Leid des Tieres zu beenden – sei es mit Worten oder Taten. Außerdem sollten wir unsere Bekannten darüber informieren, was sie tun können, um Tiere zu schützen, zu verteidigen und ihr Leben zu verbessern. Mit diesem Aktivismus steht und fällt alles!  Der berühmte Eishockeyspieler Wayne Gretzky hat einmal gesagt: „Wenn man nicht schießt, dann schießt man auch kein Tor!“ Oder andersherum formuliert: Wenn man etwas tut oder sagt, schießt man in allen oder zumindest einigen Fällen Tore. Es wird sich nur etwas verändern, wenn wir darauf bestehen. (Ingrid Newkirk: People for the Ethical Treatment of Animals /PETA  2018

 

 

Warum Tierschutz?

Seit Jahrzehnten sind weltweit TierschützerInnen theoretisch und praktisch aktiv, ihren Mitmenschen deutlich zu machen, dass Tiere zum Leben auf der Erde gehören. Ihr Wohlergehen und die durch die Evolution entstandene Vielzahl  der Arten sind der Reichtum der Natur. Ohne sie gäbe es keine genetische Fortentwicklung des Lebens mehr. Die Natur würde verarmen, und auch der Mensch würde ohne die Tierwelt aussterben. Die Abhängigkeiten voneinander sind zu groß.

Statt Tier- und Artenschutz ernst zu nehmen, hat überall auf der Welt die Ausbeutung, die Misshandlung und Quälerei und die Tötung von Tieren ein unvorstellbares Ausmaß angenommen, das nicht mehr erträglich ist. Die Mehrheit der Menschen verhält sich gegenüber dieser Entwicklung stumpfsinnig und uneinsichtig. Politiker interessiert das Wohlergehen der Tiere und ihr Schutz kaum.

Vor rund 20 Jahren bildeten sich zahlreiche Tier- und Naturschutzvereine in Deutschland, um auf dieses Dilemma aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Der „Internationale Tierschutzverein Grenzenlos e.V.“  wurde 2001 gegründet und widmete sich insbesondere der Verbesserung des oft unglaublich grausamen Schicksals der Hunde, insbesondere der Straßenhunde in Europa.

Der Hund – ein Tier, das sich im Verlauf der Geschichte  sehr eng an den Menschen angeschlossen hat und heute als Freund und Begleiter des Menschen einen festen Platz gefunden hat, wird vor allem in den süd- und osteuropäischen  Ländern oft missbraucht und aufs Übelste misshandelt. „Tierschutz“ existiert in diesen Ländern selten. Tierschutzvereine und Tierheime gibt es nur vereinzelt; nur allmählich wächst hier die Erkenntnis, dass den Straßenhunden geholfen werden muss.

Der ITV Grenzenlos hat überall dort, wo TierfreundInnen initiativ wurden und bereit waren, an der misslichen Situation etwas zu ändern und sich zu Vereinen zusammengeschlossen haben, versucht zu helfen. Wenn der Wunsch an den ITV Grenzenlos herangetragen wurde, beim Aufbau von Tierschutz.
Unterstützung zu leisten, wurden Projekte entwickelt und vor allem Kastrationsaktionen finanziert.
Wenn die zuständigen Behörden und PolitikerInnen  bereit waren, Kooperationen im Sinne des Tierschutzes zu fördern, konnte oft viel erreicht werden. Der ITV Grenzenlos konnte dann, wenn die Fortführung von einmal begonnenen Tierschutzmaßnahmen sichergestellt war, auf die
Eigenkräfte vor Ort vertrauen und weitere Finanzierungen einstellen: Tierschutz wurde etabliert. So wurde und wird weiterhin „Hilfe zur Selbsthilfe“ geleistet. (s.  Projekte)

Im Zentrum der aktuellen Projekte stehen derzeit die vertraglich abgesicherten Kooperationen mit dem Verein  U.V.P. in Kosice/Slowakei; die langjährige Zusammenarbeit mit der Stiftung FPCC in Oradea/ Rumänien und die neue im Sinne von Tierschutz äußerst erfolgreiche  Zusammenarbeit mit dem Verein Udruga Pobjede in Osijek/Kroatien, aus der sich vielfältige neue Initiativen im Umfeld von Osijek entwickelt haben. (s.  Partner)

Immer geht es um Kastrationen, um die Vermeidung von unerwünschtem Welpennachwuchs und grausamen Tötungen sowie um die Bildung von Vereinen und den Ausbau von Tierheimen. In anderen Ländern standen auch andere Themen im Vordergrund der Förderung – wie die Ausstattung von Tierkliniken, die Rettung von bedrohten Streunerhunden, die Einrichtung einer Quarantänestation, der Erwerb eines Transporters.

Die Vermittlung von Hunden aus den überfüllten Tierheimen der Partner hilft, die große Zahl der Tiere in diesen Einrichtungen zu reduzieren und auch älteren und behinderten Hunden noch eine Chance auf ein artgerechtes Leben zu geben. (s. Unsere Hunde).

Wenn es gelingt, damit vor Ort Vorurteile gegenüber Arten- und Tierschutz abzubauen und ethische Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber der immensen Bedeutung der Tiere für die menschliche Gesellschaft und ihr Überleben positiv zu ändern, wird etwas bewegt. Bleibt übrig, damit endlich auch PolitikerInnen zu erreichen, die rechtlichen und praktischen Voraussetzungen für einen adäquaten Umgang mit den Tieren zu schaffen.